Doofes Fernsehen war gestern. Heute ist der Fernseher smart und spielt Videos aus dem Heimnetz ab, liefert gezielt News aus dem Internet und verbindet Freunde auf Facebook. Wir erklären Ihnen, was genau Smart TV bedeutet, was es bringt und was es dazu braucht.

1. Was überhaupt heisst „smart“ beim Fernseher, kurz: „Smart TV“?
Vernetzt
„Smart TV“ ist eine Bezeichnung für einen Fernseher, der einerseits herkömmliche TV-Inhalte zeigen kann, andererseits Inhalte (Filme, Musik, Fotos, Nachrichten) aus dem Internet und dem Heimnetzwerk wiedergeben kann. Ein Smart TV ist drahtlos oder per Ethernet-Kabel mit dem Netzwerk verbunden.
Zeitunabhängig
Mit einem Smart TV kann man sich unabhängig vom Fernsehprogramm unterhalten lassen. Ein Smart TV greift per Knopfdruck auf beliebige aktuelle Internetinhalte oder verpasste Sendungen zu. Der Smart TV macht den Zuschauer zum Programmgestalter.
Interaktiv
Ein Smart TV verbindet den Zuschauer mit sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Man kann sich parallel zu einer laufenden Sendung mit Gleichgesinnten unterhalten. Dies erlaubt interaktiven Gedanken- und Meinungsaustausch während einer Sendung.
Einfach
Trotz den vielen neuen Funktionen bleibt der Smart TV einfach. Denn die neuen Fähigkeiten sind in Apps (Miniprogramme) verpackt. Diese sind von den Smartphones bereits bekannt. Die App-Liste erscheint auf Tastendruck auf dem Fernsehbildschirm. Per Fernbedienung werden die Apps aktiviert und bedient.
Weiterführende Antworten auf die Frage „Was heisst Smart TV?“ finden Sie hier.
2. Was bringt mir ein Smart TV konkret?
Mehr Unterhaltung: Filme, Fotos und Musik
Der Smart TV dient in erster Linie als Unterhalter. Mit ihm können Filme und Fotos bequem am grossen Fernsehbildschirm betrachtet und kann dazu auch Musik abgespielt werden. Dabei ist völlig unwichtig, woher der Fernseher die Unterhaltungsdateien bezieht:
- Ein Smart TV kann mittels App auf die kostenlosen Videos von Youtube, Vimeo, Putpat und vielen anderen Videoplattformen zugreifen.
- Ebenfalls möglich ist der Direktzugriff auf die Mediatheken von ARD, ZDF und Arte. Auf diesem Weg kann man verpasste Fernsehsendungen zu einem späteren Zeitpunkt anschauen.
- Video-on-Demand-Anbieter (VoD) wie Acetrax und Viewster offerieren rund um die Uhr ihre Mietfilme direkt via Smart TV.
- Schliesslich gibt es noch unzählige Musik-(Video-)Dienste, die kostenlos oder -pflichtig ihre Musik auf den Smart TV senden.
- Die privaten Unterhaltungsdateien können beispielsweise auf dem persönlichen Notebook oder einer heimischen Netzwerkfestplatte (NAS, Network Attached Storage) gespeichert sein.
Mehr Informationen: Nachrichten, Wetter und Shopping
Mit einem Smart TV ist der Zuschauer immer bestens über das Alltagsgeschehen und das Wetter informiert. Wie bei einem Smartphone gibt es dazu die entsprechenden Apps:
- Zu den bekannteren Nachrichten-Apps zählen etwa die „NZZ“- oder die deutsche „Bild“-App.
- Die Wetter-App zeigt stets das aktuelle Wetter in der Region sowie die Prognosen für die nächsten Tage.
- Mit der Local.ch-App können Schweizer Adressen und Telefonnummer abgefragt werden.
- Die Cineman-App informiert über das aktuelle Kinoprogramm in der Region.
- Mit der Ebay-App lassen sich am Smart TV aktuelle Auktionen verfolgen.
- Wenn der Magen knurrt, bestellt man sich über die Pizza-Express-App das belegte Fladenbrot aus der lokalen Pizzeria.
Nicht alle der oben erwähnten Beispiel-Apps sind auf allen Geräten verfügbar. Vor dem Smart-TV-Kauf sollte man sich seine persönliche App-Wunschliste zusammenstellen.
Kommunikation: Skype, Facebook und Twitter
Der Smart TV macht das Fernsehen auch kommunikativer. Mit sogenannten Social-Media-Apps kann sich der Zuschauer mit Freunden und Gleichgesinnten verbinden. Man kann einander Kurztexte schreiben oder sich sogar per Videotelefonie von Angesicht zu Angesicht unterhalten. Zu den wichtigsten Social-Media-Apps zählen Skype, Facebook und Twitter:
- Die Videotelefonie mit Skype funktioniert am Fernseher genauso gut und einfach wie am PC – nur dass man jetzt auf dem Sofa vor dem Fernseher mit integrierter Kamera und integriertem Mikrofon sitzt. Smart TV ohne Kamera und Mikrofon lassen sich mit ansteckbaren Lösungen nachrüsten.
- Bei guten Facebook-Apps wird das Live-Fernsehbild am rechten Rand durch den sogenannten Facebook-Feed überlagert. Es erscheinen dort fortwährend die neusten Mitteilungen der Freunde. Antworten kann man direkt via Fernbedienung oder wie gewohnt am Smartphone eintippen.
- Mit der Twitter-App lassen sich kostenlose Kurznachrichten mit der Fernbedienung verfassen – wie eine SMS am Smartphone. Die Kurznachrichten erscheinen als Feed am Rand des Live-Fernsehbildes.
3. Was braucht es, damit ich einen Smart TV nutzen kann?
Damit Sie die neuen Funktionen eines Smart TV optimal nutzen können, brauchen Sie:
- eine schnelle Internetleitung mit mindestens 5 MB/s Download-Geschwindigkeit. Damit stellen Sie sicher, dass Mietfilme aus der Online-Videothek (Video-on-Demand) oder die Fernsehsendungen aus den Mediatheken ruckelfrei abgespielt werden.
- eine Verbindung zwischen Smart TV und dem Router ins Internet. Diese kann via Ethernet-Kabel, Stromkabel-Adapter (PLC) oder drahtlos via Funknetz (WLAN) eingerichtet werden.
- Wollen Sie Filme und Fotos vom PC im Netzwerk abspielen, müssen Sie die entsprechenden Ordner im Netzwerk freigeben oder die Dateien zu einer DLNA-Bibliothek (Windows Media Player) hinzufügen.
4. Wie wird meine alter Fernseher smart?
Wenn Sie bereits einen guten Flachbildfernseher besitzen, diesem jedoch die smarten Funktionen fehlen, können Sie ihn mit smarten Boxen nachträglich aufrüsten. Die Boxen, die Sie am besten via HDMI mit dem Fernseher verbinden, gibt es in verschiedenen Ausführungen:
- Mediaspieler mit und ohne Festplatte
- Speziallösung Apple TV
- Leise und leistungsfähige Mini-PCs
Ein Nachteil dieser Erweiterungen: Live-Fernsehen und smarte Funktionen lassen sich nicht gleichzeitig am Bildschirm anzeigen.
5. Ich habe bereits eine Settop-Box von Sunrise, Swisscom oder UPC Cablecom. Kann ich trotzdem einen Smart TV nutzen?
Ja. Einen Smart TV können Sie problemlos mit der Settop-Box eines Fernsehsignalanbieters nutzen. Diese Kombination bietet Ihnen sogar Vorteile: Bei den Settop-Boxen fehlt beispielsweise die Möglichkeit, Filme von Ihrer persönlichen PC-Festplatte am TV abzuspielen – das übernimmt nun der Smart TV.
Im Gegenzug bietet die Settop-Box Ihres Anbieters meist einen einfachen elektronischen Programmführer (EPG, Electronic Program Guide), mit dem Sie TV-Sendungen auf Knopfdruck aufzeichnen oder für die Aufzeichnung programmieren können. Die TV-Box von Swisscom können Sie sogar mittels App mit dem Apple iPad oder einem Smartphone steuern – auch aus der Ferne via Internet.
6. Ich will einen neuen Smart TV kaufen. Welches ist der Richtige für mich?
Jeder Hersteller hat eigene Smart-TV-Lösungen im Angebot. Während die einen versuchen, möglichst viele Funktionen ins Gerät zu integrieren, setzen andere auf Schlichtheit und Einfachheit.
Grundsätzlich sollten Sie sich vor dem Kauf überlegen, ob Sie eher auf umfassende Funktionen und ausgeklügelte Technik Wert legen oder ob Ihnen eine möglichst einfache Bedienung und Integration ins Heimnetzwerk wichtiger ist. Ein guter Fachhändler kann die entsprechenden Geräte demonstrieren und auch abschätzen, welcher Smart TV zu Ihren Bedürfnissen passt.
Samsungs Smart TV zeichnen sich durch viele Funktionen, die meisten Apps und ständig aktualisierte Technik aus.
Sony hingegen macht das Rennen um die Apps nicht mit, sondern will die beste Bildqualität bieten mit Direktzugriff auf den Film- und Musik-Download-Dienst Sony Entertainment Network.
Hinter den Smarten von Philips steckt viel europäisches Verständnis. Sie eignen sich vor allem für Filmliebhaber und Geniesser.
7. Alle reden von HbbTV, Recall-TV, Catch-up-TV. Was heisst das alles und hat das etwas mit Smart TV zu tun?
Das Kürzel HbbTV steht für „Hybrid broadcast broadband TV“ und vereint Fernsehen und Internet auf sehr einfache Weise: Bei HbbTV drückt man schlicht die rote Taste auf der Fernbedienung und erhält dann im unteren Bildschirmbereich ein aufbereitetes grafisches Menü mit zusätzlichen Informationen zu einer laufenden Sendung eingeblendet. Beispielsweise können während eines Fussballspiels passende Dossiers zu den Spielern abgerufen werden. HbbTV kann auch Musik und Videos anzeigen. Die Daten holt sich der Fernseher aus dem Internet. Die Technik funktioniert also nur, solange eine Internetverbindung besteht.
Catch-up-TV und Recall-TV bedeuten dasselbe: Mit dieser Funktion lassen sich am Fernseher nachträglich Sendungen sehen, auch wenn man sie nicht aufgezeichnet hat. Um die Aufzeichnung kümmert sich der Anbieter von Catch-up-TV auf seinen Servern. Via Internetverbindung kann ein Smart TV darauf zugreifen.
8. Lexikon
Ein kleines Lexikon mit den wesentlichsten Fachbegriffen kurz erklärt finden Sie hier.
9. Nützliche Links
Anlaufstellen und Internetadressen zum Thema Smart TV finden Sie hier.