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22.07.2012 / Kolumne / Albrecht Gasteiner

PROGRAMM-TSUNAMI

Via Kabel kann man heute zwischen 50 und 150 verschiedene Fernsehsender empfangen. Doch schon bald werden es Tausende sein.
Albrecht Gasteiner ist Chef des firmenneutralen ­Informationsdienstes HDTV-Forum Schweiz.

Eine riesige Menge an Fernsehstationen steht einem schon heute zur Verfügung. Mit einer grossen Satellitenschüssel und vier, fünf LNBs holt man sich ohne grosse Mühe gut dreitausend Sender in bester Qualität ins Haus. Doch der infantile Stolz über „Ich habe mehr als mein Nachbar“ macht bald Ärger und Ernüchterung Platz. Denn man verplempert gefühlte Ewigkeiten damit, auch nur die zahllosen, unsäglichen italienischen Stöhn-Sender zu löschen, man muss sich mit den verschiedensten Verschlüsselungen herumplagen, und immer wieder ist man mit Frequenzwechseln konfrontiert, die einem die mühsam errichtete Ordnung über den Haufen werfen.

 

Trotzdem gibt es Leute, die noch mehr Sender wollen. Viel mehr, am besten gleich alles, was die grosse, weite Welt so zu bieten hat. Nun soll hier nicht über die Notwendigkeit einer grenzenlosen Globalisierung des Fernsehens diskutiert werden, Tatsache ist aber: Es geht. Das hat mit dem Verschmelzen von Heimelektronik und Computertechnik zu tun. Moderne Smart-Fernseher verbindet man ja nicht nur mit dem Antennensignal, sondern auch mit dem Internet. Damit steht nun plötzlich alles, was es irgendwo auf der Welt an Fernsehen im Netz gibt, auf dem Grossbildschirm im heimischen Wohnzimmer zur Verfügung. Und das gilt beileibe nicht nur für Youtube, sondern ebenso für die Archivbestände vieler Sender und auch für ihre Live-Programme, sofern sie diese auch im Internet anbieten.

 

Freilich, es gibt allerhand Einschränkungen urheberrechtlicher Art. So wird ein Sender aus Simbabwe einen in Hollywood eingekauften Spielfilm kaum über die ganze Welt verbreiten, wenn er die Ausstrahlungsrechte nur für sein Land erworben hat. Aber seine afrikanischen Eigenproduktionen wird er gerne und mit Stolz herumzeigen. Auf diese Weise kann man also viel über fremde Länder lernen, über deren Sitten, Gebräuche, Aktualitäten und Kulturen.

 

Eine andere Einschränkung bezieht sich auf die Bildqualität. Die bewegt sich im Internet heute bekanntermassen irgendwo zwischen jämmerlich und grauenhaft. Aber das wird nicht so bleiben. Parallel zur zunehmenden Verbreitung wirklich schneller Internetverbindungen werden die Datenraten der Angebote steigen, und es ist heute schon klar, dass Fernsehen übers Internet eines Tages dieselbe hochauflösende Bildqualität erreichen wird wie über die klassischen Verbreitungswege.

 

Wie schafft man den Überblick?

Da stellt sich dann die Frage, wie man mit dieser ungeheuerlichen Menge an Angeboten umgehen soll, um im Tsunami von Fernsehprogrammen nicht unterzugehen.

 

Die Antwort kommt aus der Computerecke: Statt wie bisher passiv im EPG nachzusehen, was dieser oder jener Sender heute Abend im Programm hat, wird man seine Vorlieben und Interessen aktiv in eine Suchmaschine eintippen. Lieblingsschauspieler, bevorzugte Sport­arten, Sprache, Produktionsjahr, Tonformat – was auch immer. Die Such­maschine macht Vorschläge, die diesen Kriterien entsprechen, und da kann es dann durchaus vorkommen, dass man am Abend eine aktuelle Dokumentation aus Peru, Vietnam oder Neuseeland auf dem Schirm hat. Und das Beste: Damit einem nicht dauernd Massen von nerv­tötendem Schrott aufgedrängt werden, kann man auch bestimmen, mit welchen Themen man bitte schön nicht belästigt werden möchte.

 

All dies erweitert die Informationsmöglichkeiten, und es macht den Zuschauer weitgehend unabhängig von vorgegebenen Ausstrahlungszeiten. Weil alles irgendwo gespeichert ist, kann er es abrufen, wann und wo er gerade Zeit und Lust hat. Klar, dass damit die Grenzen zwischen klassischem Fernsehen und Video-on-Demand verschwimmen. Doch eines wird bleiben: Das unvergleichliche Gefühl, bei einer spannenden Direktübertragung gemeinsam mit Abertausenden Gleich­gesinnten unwiederholbare Momente mitzuerleben. Wo Konserven dominieren, wird frisch Gemachtes umso wertvoller.

 

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