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29.12.2011 / Vergleichstest APS-C-Kameras / Horst Gottfried

BIS 24 MEGAPIXEL

Die neuen Alpha-Modelle SLT-A65 und SLT-A77 von Sony fordern mit ihrem 24-Megapixel-Sensor im APS-C-Format die Konkurrenz gehörig heraus. 24 Megapixel – diese Auflösung boten bisher nur Vollformatkameras. Zum Vergleichstest traten Canon EOS 600D und EOS 7D sowie Nikon D5100 und D7000 mit 18 sowie 16 Megapixeln an. Auch bei Canon und Nikon haben wir das APS-C-Topmodell und je ein günstigeres mit dem gleichen Sensor ausgewählt.
 

Bei Canon, Nikon und Sony zeigt sich, dass man nicht zur teureren Alternative greifen muss, sondern mit dem jeweils güns­tigeren Modell die gleiche oder eine sogar noch etwas bessere Bildqualität realisiert. Durch den Mehrpreis erkauft der ambitionierte Fotograf vor allem Ausstattungs- und Bedienungstugenden wie mehr Funktionen, direktere Handhabung, wertigere Materialien, solidere Bauweise und bessere optische Sucher. Im Vergleich gewinnt Sony den Test mit beiden Modellen knapp vor den Canon- und Nikon-Modellen. Fraglos liefern auch die Testkandidaten von Canon und Nikon eine sehr gute Bildqualität. Doch setzen hier die Alphas noch etwas drauf, da Sony das Auflösungspotenzial des neuen 24-Megapixel-Sensors nicht ausreizt, sondern moderat nutzt und auf eine ausgewogene Abstimmung setzt. Der zweite Pluspunkt ist der elektronische Sucher: überlegen bei manuellem Fokus und Video, aber auch im normalen Fotoalltag überzeugend, gerade im Vergleich zu den optischen Suchern güns­tiger DSLR-Modelle. Mit kleinen Guck­löchern wie bei der Canon EOS  600D und Nikon D5100 werden optische gegen die elektronischen Sucher auf Dauer keine Chance haben.

 

Canon EOS 600D/EOS 7D

Canon bietet mit EOS 600D und 7D zwei unterschiedlich teure und verschieden ausgestattete DSLR-Modelle mit identischem 18-Megapixel-CMOS-­Sensor und neustem Digic-IV-Prozessor an. Während das Gehäuse der EOS 600D schon für unter 800 Franken gehandelt wird, sind für die EOS 7D am Markt noch an die 1600 Franken fällig: rund das Doppelte.

 

 

Ausstattung und Geschwindigkeit

Mit 570 g ist die EOS 600D ein Leichtgewicht gegenüber der 910 g schweren EOS 7D. Das Polycarbonat-Gehäuse der EOS 600D macht einen ordentlichen Eindruck und liegt gut in der Hand. Der EOS-7D-Body aus einer Magnesiumlegierung erscheint wie aus dem Vollen geschnitzt und ist vor Nässe und Staub geschützt. Das LC-Display oben rechts auf der Kamera zeigt, dass sich die EOS 7D Richtung Profi orientiert, während die EOS 600D darauf verzichtet. Mit einem integrierten Miniblitz sind beide ausgestattet. Profis schätzen daran weniger die Licht­leistung von LZ 8 oder LZ 9, sondern vielmehr die Möglichkeit zur kabellosen Systemblitzsteuerung. Videofilmer erfreuen sich bei beiden an Full-HD-Videoqualität mit 1920 x 1800 Pixeln bei 30 B/s. Bei den ISO-Werten ist die EOS 600D auf ISO 12 800 beschränkt, während die EOS 7D für den Notfall noch ISO 25 600 bereithält. Für die Bildstabilisierung sind bei Canon die Objektive zuständig.

 

Die Canon EOS 600D erlaubt eine differenzierte Weissabgleichsabstimmung und auch Weissabgleichsreihen, mit grafischer Darstellung. Ihr Monitor ist zudem schwenkbar.

 

Der nächste grössere Unterschied zeigt sich beim Autofokussystem: Während schon die EOS 600D mit 9 AF-Sensoren und einem zentralen Kreuzsensor mehr als ausreichend ausgestattet ist, trumpft die EOS 7D mit 19 Kreuzsensoren auf, die sich manuell noch gezielter variieren lassen, zum Beispiel für Hoch- und Querformat-Aufnahmen. Was die AF-Reaktionszeiten angeht, ist die EOS 7D mit 0,08 s bei 1000 Lux vorbildlich. Die EOS 600D braucht dabei ordentliche 0,29 s, kann sich aber bei 30 Lux mit kaum längeren 0,3 s deutlich vor der EOS 7D platzieren, die mit 0,59 s bei wenig Licht doppelt so lange braucht. Als AF-Reaktionszeit bei Live View wurden im Labor bei der EOS 600D lange 3,81 s, bei der EOS 7D auch noch 2,16 s ermittelt. Bei der Belichtungsmessung setzt Canon bei beiden Modellen auf die gleiche Matrixmessung mit 63 Feldern sowie mittenbetonte Integral- und Spotmessung. Beide bieten eine automa­tische Belichtungsoptimierung durch Kon­trast­an­pas­sung. Die Belichtungssteuerung kann per Vollautomatik, Programm­automatik mit Shift, Zeit- und Blendenautomatik oder manuelle Zeit-/Blendenwahl erfolgen. Die Motivprogramme werden wie bei Canon üblich durch die Schärfentiefe-Automatik A-DEP ergänzt. Bei der EOS 7D kommen noch drei benutzerkonfigurierbare Vollautomatikprogramme hinzu, bei der EOS 600D eine Option mit vollautomatischer Motivprogramm-Wahl. Bei den Verschlusszeiten kommt die EOS 600D auf 1/4000 s als kürzeste Zeit, die EOS 7D auf 1/8000 s; bei der x-Synchronzeit sind es 1/200 s beziehungsweise 1/250 s. Professionell zeigt sich die EOS 7D auch mit einer Serienbildfrequenz von 6,8 B/s selbst bei RAW. Die EOS 600D kommt auf noch beachtliche 3,7 B/s.

 

Bedienung

Bei der Bedienung zeigen EOS 600D und EOS 7D den Canon-typischen praktischen Mix aus Tasten- und Menüfunktionen. Die EOS 600D wird über Direkteinstell-Tasten und Menüs zentral über den LC-Monitor gesteuert. Einstellrad und/oder 4-Richtungs-Wippe dienen der Navigation durch die ohne Scrollen lesbaren Menüs auf 8 Reiterkarten. Eine schnelle Navigation wird bei der EOS 7D durch den zusätzlichen Joystick erleichtert. Der erlaubt es, nach Drücken der Q-(wie Quick-)Taste durch die dann auf dem Monitor (LCD) erscheinenden Einstellfelder zu navigieren, wenn der EOS-7D-Fotograf nicht die Direkteinstellung nach der Werte-Anzeige oben auf dem LC-Display bevorzugt. Die Live-View-Funktion wird bei beiden Modellen durch eine Extrataste aufgerufen. Sie dient bei der EOS 7D auch dem Videoaufnahmestart, für den die EOS 600D noch eine Extrataste neben dem Auslöser aufweist. Insgesamt sind beide Modelle recht praktisch und intuitiv zu bedienen.

 

 

 

Sucher und Monitor

Der EOS-600D-Sucher mit einem Pentaspiegel kommt nur auf eine Suchervergrösserung von 0,5-fach. In der EOS 7D gewähren dagegen ein Dachkantprisma und 0,63-fach-Vergrösserung den entspannteren Überblick. Eine Abblendtaste zur visuellen Kontrolle der Schärfentiefe im Sucher haben beide.

 

Die Auflösung der 3-Zoll-Monitore (LCD) für Live View mit 100-Prozent-Bildfeldanzeige beträgt bei der EOS 7D rund 920 100 RGB-Sub­pixel, bei der EOS 600D sind es etwa 1,04 Millionen RGB-Subpixel. Während der Monitor bei der älteren EOS 7D noch fest eingebaut ist, wartet die jüngere EOS 600D mit einem dreh- und schwenkbaren Monitor auf. Was schon beim Fotografieren sehr praktisch ist, wissen Videofilmer noch mehr zu schätzen.

 

Als Extra der EOS 7D im Live-View-Betrieb gibt es dafür die Möglichkeit, die Kameraausrichtung mit einer elektronischen Wasserwaage zu kontrollieren.

 

Bildqualität

Die Auflösung der EOS 600D bei ISO 100 liegt mit 1574 LP/BH um rund 100 LP/BH höher als die der EOS 7D. Dieser Abstand bleibt bis ISO 1600. Ab ISO 3200 beträgt bei beiden die Auflösung noch gut 1200 LP/BH. Auch bei den Dead-Leaves-(DL-), Kurtosis- und Rauschwerten liegt die neuere EOS 600D bis ISO 1600 meist knapp vor der 7D. Bei der DL-Messung handelt es sich um eine Kontrastmessung auf farbigen Strukturen als Ergänzung der klassischen Auflösungsmessung mit Schwarzweiss-Vorlagen. Grundsätzlich liefern beide Kameras bis ISO 1600 eine gut nutzbare Bildqualität, die ohne Sprünge recht gleichmäs­sig, aber eben nur langsam abfällt. Ab ISO 3200 wird das Rauschen dann deutlicher sichtbar, fällt die Auflösung stärker ab und wirken die Bilder weicher.

 

Fazit

Professioneller mit dem besseren Sucher, dem stabileren Gehäuse und mehr Direktzugriffen ist die EOS 7D. Bei der Bildqualität muss sie sich allerdings knapp der jüngeren Schwester geschlagen geben. Wer sich für die EOS 600D entscheidet, spart zudem rund 800 Franken und bekommt ausserdem ein höher auflösendes Schwenkdisplay.

 

 

 

Nikon D5100/D7000

Nikon bietet mit der D5100 und der D7000 zwei DSLR-Modelle mit dem identischen 16-Megapixel-CMOS-Bildsensor im APS-C-Format an. Die zurzeit bereits unter 800 Franken (Body) gehandelte D5100 ist noch dem Einstiegssegment bei Nikon zuzuordnen. Die zu Beginn rund 1500 Franken teure und inzwischen für unter 1200 Franken gehandelte D7000 gehört zur gehobenen Mittelklasse.

 

 

Ausstattung

Die 560 g leichte D5100 hat ein Kunststoffgehäuse, die D7000 gibt sich mit ihrem Gehäuse aus Polycarbonat sowie der oberen und hinteren Abdeckung aus Magnesium solider und bringt 780 g auf die Waage. Ihr Gehäuse ist anders als bei der D5100 zudem spritzwassergeschützt.

 

Die D5100 kommt mit einem zentralen Einstellknopf oben rechts auf der Kamera aus. Bei der D7000 liegt dort das Anzeigedisplay, der Moduswahlknopf der D7000 links vom Prisma macht die Kamera etwas breiter. Die ausklappbaren Miniblitze beider Modelle erreichen Leitzahl 9. Dank i-TTL-Funktion lassen sich mit beiden Modellen externe Systemblitze ansteuern.

 

Der 16-Megapixel-CMOS-Sensor samt Bildprozessor ist gut für Empfindlichkeiten von ISO 100 bis 25 600 und Full-HD-Video mit 1920 x 1080 Pixeln bei 24 B/s. Die Bildstabilisierung überlässt auch Nikon den Objektiven. Klassenunterschiede zwischen D5100 und D700 zeigen sich auch bei Nikon im AF-System. Die D5100 weist 11 Messfelder mit einem zentralen Kreuzsensor auf, in der D7000 sind es 39 mit 9 Kreuzsensoren. Bei den AF-Zeiten nehmen sich beide mit 0,46/0,53 s für die D7000 sowie 0,42/0,59 s für die D5100 nicht viel und liegen im mitt­leren Bereich. Der Sensor-Kontrast-AF im Live-View-Modus arbeitet mit 1,82 s bei der D5100 bzw. mit 1,29 s bei der D7000 merklich langsamer. Für die Belichtungsmessung nutzt Nikon extra RGB-Sensoren. In der D5100 ist einer mit 420 Pixeln für die Matrix-Messung zuständig, in der D7000 einer mit 2016 Pixeln. Beide Kameras sind mit der Active-D-Lighting-(ADL-)Funktion für bessere Lichter- und Schattendurchzeichnung ausgestattet. Die D5100 bietet neben Programmautomatik mit Shift, Zeit- und Blendenautomatik sowie manueller Zeit-/Blendenwahl in Verbindung mit dem Live-View-Modus auch eine Vollautomatik mit automatischer Motivprogrammwahl. Die D5100 beherrscht zudem einige derzeit populäre Digitaleffekte zur Bildverfremdung, die sich auch beim Filmen einsetzen lassen. Eine spezielle HDR-Funktion ist kombinierbar mit ADL. Bei den Verschlusszeiten herrscht der typische Klassenunterschied von 1/4000 s bzw. 1/200 s bei der D5100 gegenüber 1/8000 s bzw. 1/250 s bei der D7000. Bei Serienbildern ist die D7000 mit gemessenen 5,5 B/s auch bei RAW deutlich schneller als die D5100 mit 3,9 B/s. Die D7000 hält das 75 Fotos lang durch, der Zwischenspeicher der D5100 reicht für 16 Fotos. Zum Speichern der Bilder steht in der D7000 ein doppeltes SD-Kartenlaufwerk für zwei Karten zur Verfügung.

 

Bei der D7000 wählt der Fotograf zunächst ein Funktionsfeld an und verändert die Einstellung dann im Unter­menü. Im Live-View-Modus kann der künstliche Horizont auf dem Monitor eingeblendet werden.

 

 

Bedienung

Die D7000 bietet viele häufig benötigte Einstellungen im direkten Zugriff per Tastendruck und Verstellung über vorderes und hinteres Drehrad. Praktisch ist die individuell belegbare Funktionstaste. Auf dem Info-Monitor lassen sich Funktionsfelder anwählen und per ­OK-Taste deren Untermenüs aufrufen. In diesen navigiert der Fotograf dann mit dem Wipp-Ring neben dem Monitor – nicht über die Dreh­räder. Zwei individuelle Konfigurationen können bei der D7000 gespeichert und mit U1/U2 am Modusvorwahlring direkt aufgerufen werden.

 

Die D5100 ist spartanisch mit Bedienelementen ausgestattet und entsprechend übersichtlich. Statt über Direkttasten läuft das meiste über das Info-Menü, durch das mit der 4-Richtungs-Wippe navigiert wird. Der Zugriff über das Drehrad ist nicht möglich. Auch die D5100 hat eine vom Nutzer konfigurierbare Funktionstaste. Die Live-View-Funktion wird bei der D5100 über einen Hebel neben dem Auslöser aktiviert, bei der D7000 liegt er auf der Rückseite an der Videostart-Taste. An der D5100 wird die Videoaufnahme mit einer Direktstart-Taste neben dem Auslöser aktiviert.

 

Sucher und Monitor

Der Pentaspiegelsucher der D5100 mit 95-Prozent-Bildfeld zeigt nur eine 0,49-fach-Vergrösserung, das Pentaprisma der D7000 ein 100-Prozent-Bild mit 0,6-fach-Vergrösserung, das locker zu überblicken ist.

 

100 Prozent des Bildes zeigen beide Nikons auf ihrem je 3 Zoll gros­sen Monitor (LCD) mit 921 000 RGB-Subpixeln im Live-View-Mo­dus und bei der Wiedergabe. Ähnlich wie bei Canon ist auch bei Nikon der Monitor in dem älteren Modell D7000 fest integriert, während das jüngere Modell D5100 einen ausklapp- und dann schwenkbaren Monitor aufweist. Bei der D7000 findet sich als Zugabe bei Live-View-Aufnahmen die Möglichkeit, einen virtuellen Horizont einzublenden, der die waagrechte Kameraausrichtung erleichtert.

 

Bildqualität

Ähnlich wie bei Canon liefert auch bei Nikon das Einsteigermodell die etwas höhere Auflösung bei den niedrigen Empfindlichkeiten. Beide Modelle halten das Rauschen über einen weiten Bereich bis ISO 1600 unter 1,2/1,3; und auch bei den höheren Empfindlichkeiten steigen die Rauschwerte nur moderat an. Ebenfalls unauffällig sind die Kurtosis-Werte, bei denen kleine Zahlen für einen guten Erhalt der Feinzeichnung stehen. Allerdings erreicht Nikon mit dem 16-Megapixel-Sensor hier nicht mehr die Topwerte des älteren 12-Megapixel-Sensors. Die Dead-Leaves-Ergebnisse sind bei den niedrigen Empfindlichkeiten etwas schlechter als bei Canon, bei den höheren etwas besser.

 

Fazit

Erneut liegt die günstigere, aber auch etwas neuere Kamera leicht vor dem Topmodell. Man kann es aber auch so ausdrücken: Mit Blick auf die Nachbearbeitung ist das teu­rere Modell weniger aggressiv abgestimmt. Grundsätzlich liefern beide eine gute Bildqualität, und wie bei Canon lautet das Fazit: Das teurere Modell punktet mit dem besseren Gehäuse, mehr Direktzugriffen und dem besseren Sucher. Der kleine Konkurrent spart rund 400 Franken und bietet das bessere LC-Display.

 

Sony Alpha SLT-A77/SLT-A65

Mit 24-Megapixel-Sensor (CMOS), hochauflösendem elek­tronischem Sucher (OLED) und feststehendem teildurchlässigem Spiegel – Sony geht bei den neuen Modellen SLT-A77 und A65 einen anderen Weg als die klassischen Kamerahersteller Canon und Nikon. Kernstück ist die vor einem Jahr vorgestellte Single-Lens-Trans­lucent-Mirror-Technik (SLT): Ein halbdurch­lässiger, feststehender Spiegel lässt permanent zirka 70 Prozent des Lichts auf den Sensor fallen. Dieser liefert dann das Live-View-Bild für den Monitor und den elektronischen Sucher. Die restlichen 30 Prozent lenkt der Spiegel zu den Autofokus-Sensoren. So steht beim Live View sowie im Videomodus der schnelle Phasen-AF zur Verfügung. Mit Gehäusepreisen von 1600 Franken für die A77 und 1350 Franken für die A65 gehören beide Modelle zur gehobenen Mittelklasse und füllen die von der DSLR-A700 hinterlassene Lücke.

 

 

Ausstattung

Im direkten Vergleich ist die SLT-A77 ein Stück grösser als die SLT-A65. Dabei ist die A77 mit Aluminiumgehäuse nur gut 100 g schwerer als die gut 620 g wiegende A65 mit Kunststoffgehäuse. Die Gehäuseverkleidung beider Modelle besteht aus Kunststoff, macht aber einen soliden Eindruck. Beide liegen gut und sicher in der Hand. Die A77 ist zudem vor Staub und Feuchtigkeit geschützt.

 

Auch bei Sony ist das semiprofessionelle Modell SLT-A77 mit zusätzlichem LC-Display auf der Gehäuseoberseite für die Direktanzeige ausgestattet, auf das die SLT-A65 verzichtet. Der integrierte Blitz der A77 mit LZ 9 leuchtet bis 24 mm Weitwinkel aus, der A65-Blitz mit LZ 8 nur bis 28 mm Weitwinkel. Die kabellose Steuerung externer Systemblitzgeräte ist mit beiden Kameras möglich.

 

Exmor-Bildsensor und Bionz-Bildprozessor sind in der A65 für ISO-Werte von 100 bis 16 000 gut, während bei der A77 Werte ab ISO 50 einstellbar sind. Über den Maximalwert hinaus sind mithilfe einer „Mehrbild-Rauschreduzierung“ zur Not auch ISO 25 600 drin. Dazu rechnen die Sony-Kameras sechs Aufnahmen zu einem Foto mit weniger Rauschen zusammen. Die Bildstabilisierung erfolgt hier per Sensor-Shift.

 

Der CCD-Liniensensor des TTL-Phasen­detektionsystems der A65 ist mit 15 Fokuspunkten inklusive 3 Kreuzsensoren gut bestückt, bei der A77 mit 19 Fokuspunkten inklusive 11 Kreuzsensoren noch besser. Die jeweils in drei Gruppen mittig, rechts und links angeordneten Sensoren können in unterschiedlicher Konfiguration vom grossen Mehrfeld bis zum gezielten Einzel-Spot eingesetzt werden. Die Schärfeverfolgung bei seitlicher Bildbewegung erfolgt nicht nur im Bereich der markierten Sensoren, sondern auch in den darüber hinausgehenden Randbereichen des Bilds. Bei manueller Fokussierung hilft die praktische „Peaking“-Funktion, die im Fokus liegende Bereiche rot, gelb oder weiss hervorhebt – allerdings immer nur auf die offene Blende bezogen, also ohne visuelle Schärfentiefekontrolle. Alternativ leuch­tet das mittige Fokusfeld grün auf. Zudem ermöglicht der elektronische Sucher zusammen mit der sehr effektiven Sucherlupe eine saubere manuelle Fokussierung. Da kann keine traditionelle DSLR mit optischem Sucher mithalten. Für die Belichtungsmessung stehen Mehrfeld, Mittenbetonung und Spot zur Verfügung. Bei der Belichtungssteuerung hat der Fotograf ebenfalls die volle Auswahl: „Auto+“-Vollautomatik mit automatischer Motivprogrammwahl, Programmautomatik mit Shift oder Zeit- und Blendenautomatik sowie ma­­nuelle Zeit-/Blendenwahl. Besonderheiten wie DRO-Dynamik-Optimierung in fünf und HDR-Auto-Funktion in drei Stufen sowie 2D- und 3D-Schwenkpanoramen verdanken A77 und A65 den kombinierten Fähig­keiten des schnellen Exmor-Sensors und Bionz-Prozessors. Wobei das 3D-Schwenkpanorama wohl eher in die Rubrik „nice to have“ gehört.

 

A77 und A65 erlauben mit 7,9 beziehungsweise 7,7 B/s die schnellsten RAW-Bildserien dieses Vergleichs. Die A65 schafft aber nur 4, die A77 immerhin 14 Bilder hintereinander. Bei den Verschlusszeiten wartet die A65 mit minimal 1/4000 s (x = 1/160 s) auf, die A77 kommt auf 1/8000 s (x = 1/250 s). Blitzbelichtungs­reihen macht die A77 mit 5 oder 3 Aufnahmen, die A65 nur mit 3 Aufnahmen.

 

Zu den Ausstattungsbesonderheiten beider Modelle gehört die integrierte GPS-Funk­tion mit Uhrzeit-Synchronisation. Sie macht den bis jetzt zügigsten und genauesten Eindruck von allen GPS-Systemen in Kameras.

 

Videofunktionen

Als erste DSLR nehmen die SLT-A77 und SLT-A65 Full-HD-Videos (1920 x 1080 Pixel) im progressiven Modus 1080p mit 50 Vollbildern/s auf, was für eine noch bessere Kantendarstellung sorgt. Gestartet werden kann die Videoaufnahme jederzeit über eine Direktstart-Taste, gespeichert wird im AVCHD-Format.

 

Wichtiger ist jedoch die saubere Schärfenachführung: In den ersten SLT-Modellen vor einem Jahr führte der Phasen-Autofokus die Schärfe noch zu ruckartig nach. Nun sorgt der Phasen-Autofokus einerseits für wesentlich mehr Tempo als die Kontrast­lösungen von Canon und Nikon, zugleich zieht er die Schärfe aber nun weicher nach. Wenn es um Video geht, kann Sony zwar nicht den maximalen Schärfentiefe-Spielraum einer EOS 5D Mark II bieten, aber das praktikabelste Gesamtpaket. Wer nicht in teure Speziallösungen zur manuellen Schärfenachführung investieren will, erhält mit den neuen Sonys die besten SLR-Videos.

 

Ein weiterer Video-Vorteil ist der elektronische Sucher: Bei klassischen DSLR muss beim Filmdreh der Spiegel hochgeklappt sein. Nur dann fällt das Licht vom Objek­tiv auf den Sensor zur Videoaufzeichnung. Damit bleibt aber der optische Sucher dunkel, und der Filmer ist auf den Monitor beschränkt. Im Fall der Sony-SLT-Modelle sind (elek­tronischer) Sucher wie Monitor auch im Videobetrieb aktiv.

 

Vorbildliche Beweglichkeit zeigt der flexibel aufgehängte Monitor der Sony SLT-A77, der sich anders als der SLT-A65-Monitor auch in der Höhe verschieben lässt und so eine für das Videofilmen besonders komfortable Positionierung erlaubt.

 

Bedienung

Rändelräder links oben auf den Kameras erlauben die schnelle Vorwahl der grund­legenden Aufnahmefunktionen. Im Detail ist die Bedienung der A65 stark Monitor-orientiert. Konzeptuell ist die A77 zwar gleich aufgebaut, doch bieten die zahlreichen Tasten und Knöpfe als eine Art zweite Ebene auch adäquate Direktzugriffsmöglichkeiten. Gezielte Voreinstellungen für Aufnahme, Wiedergabe und Kamera-Management werden bei beiden Modellen nach Druck auf die Menütaste auf 7 Reiterkarten mit bis zu 3 Unterebenen vorgenommen. Aktuelle Einstellungen wichtiger Aufnahmenfunktionen sind durch Ansteuern der nach Druck auf die „Fn“-Taste erscheinenden Symbole per 4-Richtungs-Joystick bei der A77 oder über die entsprechende Wippe bei der A65 schnell möglich. Viele Einstellungen wie Zeit und Blende oder Belichtungskorrektur, ISO-Wert, Weissabgleich, Serienbildfunktion oder Sucherlupe können an der A77 aber auch per Direkttaste plus Dreh am klassischen Einstellrad vorgenommen werden. An Einstell­rädern bietet die A65 eines für den Aus­lösefinger und die A77 zusätzlich ein zweites für den Daumen. Die Umschaltung zwischen Live-View-Sucher- und Monitorbild kann bei Annäherung beziehungsweise Entfernung des Auges vom Okular automatisch erfolgen. Auch die einst von Minol­ta erfundene „Eye Start“-Funktion für den AF findet sich in der A77 und A65 wieder.

 

 

1. Durch das unveränderte Auflagemass werden die Alpha-Modelle mit festem „Translucent“-Spiegel zwar schneller, aber nicht schlanker. Dies bedeutet hingegen auch, dass alle Alpha-Objektive passen.

 

2. Die zahlreichen Bedienelemente vermitteln einen Eindruck von der umfangreichen Funktionsvielfalt der Sony A77.

 

3. Wie üblich bei semiprofessionellen Modellen zeigt auch die A77 die Werte der wichtigsten Einstellungen im Extra-Display.

 

Mit der Display-Taste lassen sich unterschiedlich umfangreiche, das eigentliche Monitorbild überlagernde Anzeigeebenen nacheinander aufrufen, so auch Histogramm und elektronische Wasserwaage. Insgesamt erweist sich die Bedienung beider Modelle trotz der Funktionsvielfalt nach kurzer Eingewöhnung als durchdacht und praktisch.

 

Sucher und Monitor

Mit ihren elektronischen Suchern setzen A77 und A65 neue Massstäbe: Die OLED-Sucher mit 2,36 Millionen RGB-Subpixeln überzeugen in Farbigkeit und Schärfe. Hinzu kommt die Suchervergrösserung von 0,72-fach, die einen hervorragenden Überblick garantiert. Lediglich bei schnellen Bewegungen ruckelt das Sucherbild. So erreichen die OLED-Sucher noch nicht ganz die Qualität eines optischen Profi­suchers, sind aber den zum Teil recht kleinen Lösungen in den günstigen DSLR überlegen. Ein weiteres Plus sind ihr funktioneller Vorteil mit einer Sucherlupe beim manuellen Fokussieren und die Unterstützung der Videofunktion. Die Helligkeit der beweglichen 3-Zoll-Monitore (LCD) von A77 und A65 mit 921 600-RGB-Subpixel-Auflösung lässt sich in fünf Stufen, auf Wunsch automatisch, an­passen. Die Bildschirme sind unterschiedlich gelenkig. Bei der A65 kann der Monitor um bis zu 180° heruntergeklappt und dann um 90° nach rechts oder 80° nach links gedreht werden. Der A77-Monitor kann über die beschriebenen Freiheitsgrade hinaus noch samt Drehgelenkträger aus der Rückwand herausgezogen und dann mit variabler Neigung in der Höhe parallel verschoben, auf der Oberseite der Kamera abgelegt oder nach vorne gerichtet werden. Der Fotograf erhält damit so etwas wie einen Lichtschacht­sucher, nur ohne Schacht.

 

Bildqualität

Weiche, detailarme Bilder, Probleme bei höheren Empfindlichkeiten – in der Vergan­genheit konnte die Bildsignalverarbeitung bei Sony nicht immer überzeugen. Das gilt für die neusten Alphas nun ganz und gar nicht mehr. Die Auflösung ist erwartungsgemäss hoch und bis ISO 1600 auch sehr konstant, aber nicht übertrieben hoch. Sie bleibt eher etwas unter dem Potenzial eines 24-Megapixel-Sensors, was den Bildern insgesamt zugutekommt. Trotz kleineren Pixeln liegen Rauschen und Feinzeichnung auf gleichem Niveau wie die Testergebnisse der etablierten Konkurrenten. Erst ab ISO 1600 und deutlicher noch bei ISO 3200 ­sinken die Messwerte dann insgesamt deutlich ab. Die ISO-3200-Bilder sind noch nutzbar, aber nicht mehr gut. Auffällig sind die Dead-Leaves-Werte mit schlechteren Ergebnissen bei ISO 100 gegenüber ISO 400. Offensichtlich stimmt Sony die niedrigste Empfindlichkeit weicher ab. Insgesamt hat Sony bei der Bildqualität die etablierten Hersteller wie Canon und Nikon nicht nur eingeholt, sondern teilweise gar knapp überholt. Sony hat bei der Signalverarbeitung über alles gesehen deutliche Fortschritte gemacht, sodass die kleineren Pixel erst bei sehr hohen Empfindlichkeiten zu Nachteilen bei der Feinzeichnung führen. Eigentlich war auch ein RAW-Test geplant, den mussten wir aber absagen, da der RAW-Konverter von Sony noch seine Macken hat. So waren die JPEG-Bilder besser als die RAW-Versionen, und bis zur Auslieferung könnte es auch bei der Kamera-Firmware nochmals ein Update geben.

 

Fazit

Die zweite Generation der Alpha-SLT-Kameras überzeugt auf ganzer Linie mit einem verbesserten elektronischen Sucher, der besten Videofunktion, guter Bildqualität und Bedienung. Für das Topmodell A77 sprechen das tolle Gehäuse und die wesentlich zahlreicheren Direktzugriffe auf wichtige Funktionen. Bei gleichem Sucher und minimal besseren Test­ergebnissen des günstigeren SLT-Modells werden allerdings einige Kunden die rund 250 Franken sparen und die A65 wählen.

 

 

 

 

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